
MOUNT EVEREST NORTHSIDE | TIBET | 8849m
APRIL-MAI 2025
Es ging nicht alleine darum den höchsten Berg der Welt zu besteigen, sondern mit meinem Weg zu zeigen, was möglich ist, wenn man an sich glaubt und jeden Tag einen Schritt geht. Was möglich ist wenn man seinen Fokus beibehält, Rückschläge als Chancen nutzt, seine Schwächen kennt und seinen Fähigkeiten vertraut.

MOTIVATION
Warum besteigt man den Mount Everest? because it is there - weil er da ist. So hat vor über 100 Jahren George Mallory die Frage beantwortet. Diesen Grund kann ich nicht abstreiten, auch wenn die wirkliche Substanz meiner Expedition multifaktoriell war. Die Knieverletzung nach der Annapurna IV Besteigung 2023 und die zwei darauf folgenden Knieoperationen haben einen langen und harten Rehabilitationsweg gefordert. Für mich stand nach der ersten OP fest, dass ich im April 2025 wieder zu einer 8000m Expedition aufbrechen will. Nachdem ich nach der 2ten OP nur noch 5% Kraft im linken Bein übrig hatte, war dieser Weg in nur 365 Tagen um so härter. Ich habe gezweifelt, ob der Mount Everest der richtige Berg für mich ist, aber nachdem ich kurzzeitig auf Grund meiner Nieren- und Lebererkrankung im Krankenhaus war, wurde mir noch mehr bewusst, wie wichtig Ziele und ein Fokus im Leben sind. Mir waren meine Schwächen bewusst und meine Grenzen klar. Einen 8000er ohne Sauerstoff würde ich diese Saison nicht schaffen, dafür hatte ich zu wenig Zeit zum trainieren gehabt.
EIN ZAHN WENIGER
Nach meiner Nacht auf 7000m, dem Nordsattel, ohne künstlichen Sauerstoff stieg ich wieder ins Advanced Basecamp ab. Am nächsten Tag konnte ich vor Schmerzen kaum mehr kauen. Mein rechter Backenzahn hatte sich entzündet. Ich wusste, dass soetwas in der Höhe passieren kann, startete das entsprechende Antibiotikum und hoffte. Ich hoffte es würde sich irgendwie regeln bis zum nächsten Tag. Die Schmerzen wurden trotz Schmerzmitteln unerträglich, sodass ich am nächsten Tag begann abzusteigen. Zunächst nur 1 Lager tiefer auf 5700m, dann bis ins Basislager. Gegessen hatte ich seit 2 Tagen nichts und Wasser nur in kleinen Schlücken getrunken. Mein Gesicht war mittlerweile dick geschwollen. Die Schmerzen trugen mich die 20km zum Basislager hinab. Ich dachte an nichts mehr anderes, ich wollte einfach nur, dass diese Schmerzen aufhören.
Danach erlebte ich eine sehr abenteuerliche Zahnentfernung, gefühlt am Ende der Welt, in Tibet. Ich überlebte alles und fasste relativ schnell einen Entschluss.
Nach weniger als 48 Stunden kehrte ich ins Basislager zurück und begann meinen Weg zum Gipfel. Ich wusste, wenn ich es nicht versuche, dann würde ich in dieser Saison nicht mehr zum Gipfel kommen, da ein Cyclone im Anmarsch war. Jeden Tag ein Lager, 6 Tage Aufstieg bis zum Gipfel ohne Pausentag. Ich vertraute auf meine gute Akklimatisation, meinen Willen und meine mentale und physische Ausdauer. Ich dachte nicht mehr viel nach, sondern fokussierte mich Tag für Tag neu. Einen Schritt vor den anderen, im Grunde genommen, mehr war es nicht. Einen Schritt, atmen, einen Schritt, atmen.